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PISA-Studie, Ursache & Wirkung

Einleitung:
Je nach dem welches Land (BRD/Aut) die Ergebnisse verlautbart / veröffentlicht / publiziert / diskutiert / zerpflückt / zerredet / interpretiert und-was-weiss-ich-noch hat; Tenor: unser Nachwuchs ist im jeweiligen Vergleich gesehen am Sand.

Umleitung:
Schuld sind je nach ethnisch-intellektuellem-subjektiven Standpunkt des Interpreten die/der/das Eltern / Sch[w]ule [ja, auch die]  / Milieu\Szene / Ausländer\Inländer / EU-OstWestNordSüdErweiterung und alle Arten von Wanderer. Vor allem die Unterwanderung durch Anglizismen, das sind keine Gallier (Gälen) von den Hebriden, sondern angloamerikanische Worte / Floskeln / Sprechblasen aus dem aa. Raum / Umfeld.

Ableitung:
Unlängts las ich in einer der Standard-Lektüren ("Glamour, Girl, Young, Jolie, For You") meiner Töchter (20, 19) einen Bericht über Dinger die wir Alten früher Sonnenbrillen oder einfach Sonnenglasln nannten. Der Bericht war natürl. ein "Preview" / "Overview" oder vllt. auch nur ein "Review". Und er handelte von "S_H_A_D_E_S". Da stand ich erst mal im Schatten / Finstern.

Hinleitung:
Und weil mir im DischgussionForum sein, stell' i mir die Frag', wie lang wird's noch dauern, bis zu den Sachen, die wir unter dem Namen Pariser, Verhüterli oder schlicht Gummi kennen, ein Jeder "F_U_C_K_E_R_S" sagen wird ?

DANKE

Antworten zu PISA-Studie, Ursache & Wirkung:

Was willst Du nun diskutieren, unser beklagenswertes Schulsystem oder die Verenglischung unserer Umgangssprache?
Beides hat miteinander nur wenig zu tun, jedenfalls nicht ursächlich.

Zu Pisa könnte man seitenweise schreiben, ich möchte es aber bei  wenigen Schlaglichtern belassen:

1) Pisa ist eine dubiose einseitige "Leistungsmessung", vor allem aus der Sicht von "Industrie-Interessen" (wer rechnet am schnellsten). Die kulturelle, soziale und charakterliche Bildung bleibt völlig außen vor.

2) Man soll gefälligst Kinder noch Kind sein lassen und sie nicht um die Kindheit betrügen. Man sollte auch mal die Gesichter der Kinder beobachten, wenn sie nach einem Schultag rauskommen und nicht nur ihre Leistungspunkte zählen. Entwicklung braucht Zeit. Kindern, die schon sehr früh "gedrillt" werden, geht mit 13-15 Jahren die Kraft aus - sie wollen dann einfach überhaupt nichts mehr arbeiten. Möchtest Du Schulkind in Finnland sein? Ich nicht!

3) Der überall forcierte Trend, "möglichst viel Schule, auch nachmittags" und "möglichst wenig Elternhaus" ist sehr bedenklich. Kinder wollen auch "Einzelbetreuung" und mal ihre Ruhe von der Meute. Das kann die Schule nicht leisten.


4) Man sollte auch mal untersuchen den Zusammenhang zwischen Schulsystem und:
- Wieviele Absolventen sind später langzeitarbeitslos bzw. arbeitsunfähig?
- Wieviele landen in einer psychiatrischen Anstalt, werden depressiv oder begehen Selbstmord?
- Wieviele haben nachher eine gescheiterte Ehe oder bleiben Single?
- Wieviele werden später kriminell?

Letztlich ist unsere ganze "Leistungsgesellschaft" schwerkrank. Die ganze Richtung der "ständigen Leistungssteigerung" stimmt nicht.
Sie überfordert die Menschen und vor allem die Kinder. Und die Aufgabe, lauter ideale "Leistungsboliden" wie in einem Treibhaus heranzuzüchten kann gar nicht gelingen, denn es handelt sich um Menschen und nicht um Werkstücke. In die Bildungspolitik gehören mehr Fachleute, die wirklich was von den Kindern verstehen und nicht Politiker, die davon keine Ahnung haben.

Bernd

« Letzte Änderung: 07.09.05, 21:47:25 von bernd-x »
unser beklagenswertes Schulsystem oder die Verenglischung unserer Umgangssprache … hat miteinander nur wenig zu tun, jedenfalls nicht ursächlich.
Naja, schon ein bisserl, zumindest soweit es Deutsch betrifft. Das liegt aber nicht am Schulsystem, sondern einerseits am Fernsehen, wo schlechtes Deutsch ja an der Tagesordnung ist, sogar in Nachrichtensendungen, aber besonders auch im Kinderkanal. Andererseits liegt es an schlechten Übersetzungen amerikanischer Bücher und Filme, wo teilweise fast wörtlich übersetzt wird, ohne nachzudenken, wie eigentlich die deutsche Form heißt. So heißt es zum Beispiel im Deutschen nicht »es macht Sinn«, sondern »es hat/ergibt Sinn«, aber fast jeder zweite Deutsche oder Österreicher sagt/schreibt bereits »es macht Sinn«, weil es in zig Büchern und Filmen so gesagt wird bzw. geschrieben steht und alle das blind übernehmen. Wenn man dann etwas sagt, heißt es: »Aber das steht doch so in dem Buch, also ist es auch richtig.«

Zitat
1) Pisa ist eine dubiose einseitige "Leistungsmessung", vor allem aus der Sicht von "Industrie-Interessen" (wer rechnet am schnellsten). Die kulturelle, soziale und charakterliche Bildung bleibt völlig außen vor.
In der Schule meines Sohnes gibt es Kleinklassen mit maximal 20 Kindern – da kann ich mich eigentlich über mangelnde soziale und charakterliche Bildung nicht beklagen (nein, das ist keine Privatschule). Je kleiner die Klassen, desto besser können die Lehrer auf die einzelnen Schüler eingehen oder Probleme in der Klassengemeinschaft bewältigen, was sich wiederum aufs Lernen positiv auswirkt. Das sollte meiner Meinung nach überall so sein, aber dafür hat die Wirtschaft/Industrie kein Geld übrig – sie wollen zwar, daß die Leute gut ausgebildet und charakterlich stark (»teamfähig«) zu ihnen kommen, aber zahlen wollen sie dafür nicht.

Daß es natürlich auch hier nicht in allen Schulen so ist, wie bei meinem Sohn, zeigt die Tatsache, daß gestern ein Vierzehnjähriger von einem Mitschüler erstochen wurde. http://wien.orf.at/stories/58068/
Ich muß mir das jetzt ganz fest einreden, daß es in unserer Schule besser ist, sonst trau ich mich gar nicht mehr, ihn da hinzuschicken. Ich hab eine Scheiß-Angst, was da noch auf uns zukommt.

Zitat
3) Der überall forcierte Trend, "möglichst viel Schule, auch nachmittags" und "möglichst wenig Elternhaus" ist sehr bedenklich. Kinder wollen auch "Einzelbetreuung" und mal ihre Ruhe von der Meute. Das kann die Schule nicht leisten.
Ich selbst bin in eine Ganztagsschule gegangen, das war damals eine der ersten und noch Schulversuch. Und ich war eigentlich nicht unzufrieden damit, denn der Unterricht war durch Freistunden aufgelockert. Außerdem hatten wir keine Hausübungen – es gab jeden Tag eine »Lernstunde«, und es war vorgegeben, für welche Fächer diese genutzt wird, das heißt: Wir konnten nicht an einem Tag in fünf Gegenständen eine »Hausübung« bekommen, sondern es konnten die Lehrer nur in den Gegenständen etwas aufgeben, für die die Lernstunde vorgesehen war. Wenn ich aus der Schule raus ging, hatte ich Freizeit, während Kinder aus anderen Schulen noch bis spät abends bei ihren Hausaufgaben sitzen mußten.

Und es ist ja nicht so, daß die Eltern die Zeit haben oder sie sich nehmen (können), um den Kindern das zu geben, was sie eigentlich brauchen. Sie kommen selbst müde und genervt nach Hause und wollen oder können sich um nichts mehr kümmern. Bei manchen Kindern ist es sicher besser, daß sie nicht so viel zuhause sind…
Bevor die auf der Straße herumhängen, ist es doch besser, sie sind in einer Schule, wo mit ihnen aktiv was gemacht wird. In meiner Schule gab es zahlreiche Angebote für die Freistunden, z.B. konnte man sich sportlich oder musikalisch betätigen, eine Theatergruppe gab es, ich hab z.B. völlig gratis Klavierspielen und Fotos entwickeln gelernt. Wenn man sich für keinen Kurs entschieden hat, war man in der Freigruppe, wo es verschiedenste kreative Angebote gab, von Batiken bis zu Wachsgießen. – Das finde ich doch allemal besser als wenn Kinder nach der Schule zum McDonalds gehen und sich dann irgendwie die Zeit vertreiben, bis die Eltern heimkommen.

Zitat
4) Man sollte auch mal untersuchen den Zusammenhang zwischen Schulsystem und:
- Wieviele Absolventen sind später langzeitarbeitslos bzw. arbeitsunfähig?
- Wieviele landen in einer psychiatrischen Anstalt, werden depressiv oder begehen Selbstmord?
- Wieviele haben nachher eine gescheiterte Ehe oder bleiben Single?
- Wieviele werden später kriminell?
Daran sind meiner Meinung nach viel mehr die Eltern schuld als die Schulen. Maßgeblich für die psychische Entwicklung sind vor allem die ersten paar Jahre – wenn man ein Kind da stark macht, es sich geliebt fühlt und so auch Selbstvertrauen entwickeln kann, kann ihm die Schule gar nicht mehr so viel anhaben. Das Problem ist, daß sehr viele Eltern alles falsch machen, was man nur falsch machen kann, die Kinder zuhause keinen Rückhalt haben und so dann in späterer Folge in die falschen Kreise geraten, von denen sie sich erhoffen, das zu bekommen, was sie zuhause nicht bekommen: Anerkennung.
Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit den Folgen falscher Kindererziehung und weiß, wovon ich rede. Ich hab nicht nur viel über das Thema gelesen, sondern habe selbst durch meine Mutter körperliche und psychische Gewalt erfahren und daher ein gewisses Gespür dafür, wie man sich so fühlen kann … Auch die Folgen sind mir alles andere als fremd.

Es wird garantiert niemand zum Selbstmörder, der ein intaktes, liebevolles Elternhaus hatte, da kann die Schule noch so scheiße sein.

Zitat
In die Bildungspolitik gehören mehr Fachleute, die wirklich was von den Kindern verstehen und nicht Politiker, die davon keine Ahnung haben.
Leider haben die meisten Pädagogen ebenfalls viel zu wenig Ahnung. Was sie in ihrer Ausbildung an Psychologie lernen ist großteils veralteter Mist. Sie lernen nur, die Kinder anzupassen, ohne auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Eine andere Lösung als ganztägige Schulformen kann nur sein, die Arbeitszeiten familiengerecht zu gestalten. Aber stattdessen verlängert man z.B. die Ladenöffnungszeiten immer mehr, damit die Mütter noch weniger Zeit für ihre Kinder haben.

Liebe Grüße,
Susi :)

@ Häferl

Danke für Deine Erfahrungen.
Ich hatte das Glück, in einer Sechs-Kinder-Familie aufwachsen zu dürfen und hatte eine präsente Mutter zuhause. Dies hat meine Erfahrungen geprägt.
Ich war heilfroh, mittags von der Schule heimgehen zu dürfen. Mitschüler können auch ein erheblicher Streß sein, das wird meistens vergessen, man muß sich dauernd seiner Haut wehren. Daheim ist für ein Kind nur daheim, wenn eine Mutter präsent ist.
Unsere Gesellschaft muß noch gewaltig umdenken. Wir sind das geburtenschwächste Land der Welt und die Zukunft unseres Landes droht daran zu scheitern.
Aber wenn man sagt: Der Staat soll attraktive Bedingungen schaffen, daß Frauen wieder gern zuhause bleiben und Kinder erziehen, dann ist das "das Schlimmste, was jemand in Deutschland sagen kann". Dann wird man in kleine Fetzen zerrissen.
Die Frauen erhalten seit Jahrzehnten eine Gehirnwäsche: "Du mußt mit Gewalt Karierre machen, auch wenn es keine Arbeitsplätze gibt. Kind ist das allerunwichtigste. Wenn ja, dann höchstens eins bevor Du vierzig wirst und natürlich alleinerziehend".
Entsprechend zerrüttet ist unsere Gesellschaft und das menschliche Urbedürfnis nach Familie bleibt immer mehr Menschen versagt.


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