Amiga-Bootfarben: Das bedeuten Rot, Grün, Gelb und andere Farben!
Beim Einschalten zeigen Amiga 500, 600, 1200 & Co. für kurze Zeit beim Selbsttest verschiedene Farben an. Normalerweise ändert der Bildschirm während den Tests von die Farbe von Dunkelgrau über hellere Graustufen hin zu Weiß, bevor der eigentliche Bootvorgang fortgesetzt wird. Bleibt der Rechner dagegen bei einer der Farben Rot, Grün, Gelb oder einer anderen stehen, deutet dies auf einen Fehler während der Selbsttests hin.
Die verschiedenen Boot-Farben Rot, Grün, Gelb oder Blau grenzen den möglichen Fehler ein, den der Amiga beim Test erkannt hat. Die Farbe beweist aber nicht, dass ein bestimmter Chip defekt ist: Kontaktprobleme, eine instabile Stromversorgung, falsch eingesetzte Kickstart-ROMs oder wackelige Erweiterungskarten können ebenfalls die entsprechende Fehler-Farbe auslösen.
Was prüft der Amiga beim Selbsttest?
Noch bevor Workbench, AmigaDOS oder die Startup-Sequence geladen werden, führt das Kickstart-ROM mehrere verschiedene Prüfungen und Initialisierungsschritte aus. Der Ablauf lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:
- Alte Daten und Zustände der Chips werden zurückgesetzt.
- DMA und Interrupts werden für die ersten Tests deaktiviert.
- Der Bildschirm wird initialisiert und gelöscht.
- Der Prozessor und grundlegende Hardwarefunktionen werden geprüft.
- Die Bildschirmfarbe wird entsprechend dem erreichten Prüfpunkt geändert.
- Das Kickstart-ROM wird über seine Prüfsumme kontrolliert.
- Nach erfolgreicher ROM-Prüfung wird die Bildschirmfarbe erneut geändert.
- Die eigentliche Systeminitialisierung beginnt.
- Ein benötigter RAM-Bereich wird geprüft und die zentrale Systemstruktur SysBase eingerichtet.
- Das verfügbare ChipRAM wird getestet.
- Der erreichte Status wird wieder durch eine Bildschirmfarbe angezeigt.
- Weitere Bestandteile der Systemsoftware werden geprüft und vorbereitet.
- Die Bildschirmfarbe wechselt erneut.
- Das ChipRAM wird für den weiteren Betrieb eingerichtet.
- Die grundlegenden Systembibliotheken werden eingebunden.
- Zusätzlicher Speicher wird gesucht, geprüft und in das System aufgenommen.
- DMA und Interrupts werden wieder aktiviert.
- Die erste System-Task wird gestartet.
- Zusätzliche Prozessoren, FPUs und andere Erweiterungen werden erkannt.
- Das System prüft, ob während der Initialisierung eine Prozessor-Ausnahme aufgetreten ist.
- Bei einem schweren Fehler kann der Amiga einen Reset auslösen oder bei einer Fehlerfarbe stehenbleiben.
Die einzelnen Schritte laufen sehr schnell ab. Deshalb sind die normalen Graustufen oft nur kurz zu sehen. Erst eine dauerhaft angezeigte Farbe oder eine wiederholte Startschleife ist ein deutlicher Fehlerhinweis.
Die normalen Farben beim Amiga-Start
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Dunkelgrau | Die ersten Hardwaretests wurden erfolgreich durchlaufen. Der Prozessor arbeitet und die benötigten Register lassen sich ansprechen. |
| Hellgrau | Die Initialisierung der Systemsoftware ist weiter fortgeschritten und verläuft bis zu diesem Punkt erfolgreich. |
| Weiß | Die frühen Initialisierungstests wurden bestanden. Der Amiga kann mit der Suche nach einem startfähigen Laufwerk fortfahren. |
Ein kurzes Aufblitzen einer Farbe ist nicht automatisch ein Fehler. Entscheidend ist, ob der Rechner dauerhaft bei einer Farbe stehenbleibt und den normalen Bootvorgang nicht fortsetzt.
Das bedeuten die Amiga-Bootfarben
| Farbe | Typische Bedeutung | Mögliche Ursachen |
|---|---|---|
Rot0xF00 |
Die Prüfsumme des Kickstart-ROMs ist ungültig oder das ROM kann nicht korrekt gelesen werden. | Defektes, ungeeignetes, falsch eingesetztes oder vertauschtes Kickstart-ROM, verschmutzte Kontakte, verbogene Pins oder Probleme bei der ROM-Ansteuerung |
Grün0x0F0 |
Bei der Prüfung des unteren Bereichs des ChipRAM ist ein Fehler aufgetreten. | Defektes ChipRAM, Kontaktproblem, fehlerhafte Speicheransteuerung, Agnus beziehungsweise Alice, CIA-A oder eine Störung auf dem Daten- und Adressbus |
| Blau | Bei der Initialisierung oder Prüfung der Custom-Chips wurde ein Problem festgestellt. | Je nach Amiga-Modell kommen Agnus oder Alice, Denise oder Lisa, Paula sowie deren Verbindungen und Versorgungsspannungen infrage |
Gelb0xFE5 |
Während der frühen Initialisierung ist eine unerwartete Prozessor-Ausnahme aufgetreten, bevor die normale Fehlerbehandlung aktiv war. | Ungültiger Speicherzugriff, Busfehler, nicht vorhandener oder fehlerhaft angesprochener RAM, instabile Erweiterung, Turbokarte oder Stromversorgung |
Magenta0xF0F |
Die Single-Task- oder Kaltstart-Initialisierung ist fehlgeschlagen. | Fehler während der frühen Systeminitialisierung; die genaue Ursache hängt von Kickstart-Version, Amiga-Modell und Hardwarekonfiguration ab |
Türkis0x0CC |
Dieser Code gilt für den Amiga 1000 und weist auf einen RAM-Fehler im Kickstart-Speicher hin. | Fehler in der Writable Control Store, kurz WCS, in die der Amiga 1000 sein Kickstart lädt |
Die Werte wie 0xF00 oder 0x0F0 entsprechen der 12-Bit-Farbdarstellung des Amiga. Es handelt sich nicht um die heute üblichen sechsstelligen HTML-Farbcodes.
Roter Bildschirm: Kickstart-ROM kontrollieren
Ein dauerhaft roter Bildschirm weist typischerweise auf eine fehlgeschlagene Kickstart-Prüfung hin. Dabei muss nicht zwingend der ROM-Chip selbst defekt sein. Auch ein schlechter Kontakt oder ein falsch eingesetzter Baustein kann verhindern, dass der Amiga den ROM-Inhalt korrekt liest.
Beim Amiga 1200, Amiga 3000 und Amiga 4000 besteht das Kickstart-ROM normalerweise aus zwei zusammengehörenden Bausteinen. Diese müssen an der richtigen Position sitzen, dürfen nicht vertauscht sein und müssen als ROM-Paar zueinander passen.
Bei einem roten Bildschirm sollten folgende Punkte geprüft werden:
- Sitzen alle Kickstart-ROMs vollständig und richtig herum im Sockel?
- Wurden bei einem ROM-Wechsel die beiden Bausteine vertauscht?
- Sind Pins verbogen oder Kontakte oxidiert?
- Passt die Kickstart-Version zum Amiga-Modell?
- Ist ein ROM-Umschalter oder eine andere Erweiterung eingebaut?
- Liegen stabile Versorgungsspannungen an?
Grüner Bildschirm: ChipRAM und Speicheransteuerung
Ein grüner Bildschirm bedeutet, dass der Amiga den unteren Bereich seines ChipRAM nicht erfolgreich prüfen konnte. Häufig wird dies verkürzt als „defektes ChipRAM“ beschrieben. Der Speicher selbst ist aber nur eine mögliche Ursache.
Zum betroffenen Bereich gehören außerdem die Speicheransteuerung, Daten- und Adressleitungen sowie der zuständige Custom-Chip. Je nach Modell ist dies Agnus oder Alice. Auch CIA-A wird in historischen Diagnoseübersichten als mögliche Ursache genannt.
Ein grüner Bildschirm kann ebenfalls durch eine falsch eingesetzte Speichererweiterung, verschmutzte Kontakte, beschädigte Leiterbahnen oder eine instabile Stromversorgung ausgelöst werden.
Blauer Bildschirm: Custom-Chips prüfen
Blau wird einem Fehler bei den Custom-Chips zugeordnet. Bei älteren Amiga-Modellen gehören dazu insbesondere Agnus, Denise und Paula. In AGA-Amigas übernehmen Alice und Lisa einen Teil dieser Aufgaben.
Die Farbe bestimmt jedoch nicht, welcher Chip tatsächlich ausgefallen ist. Vor einem Austausch sollten Sockel, Lötstellen, Takt- und Bussignale, Versorgungsspannungen und die Verbindungen zwischen den Bausteinen kontrolliert werden.
Gelber Bildschirm: nicht automatisch ein defekter Prozessor
Ein gelber Bildschirm wird häufig als CPU-Fehler bezeichnet. Diese Beschreibung ist zu pauschal. Die Farbe bedeutet zunächst, dass der Prozessor während der frühen Initialisierung eine unerwartete Ausnahme ausgelöst hat, bevor der Amiga eine normale Fehlermeldung oder Guru Meditation anzeigen konnte.
Mögliche Auslöser sind:
- Zugriff auf eine nicht vorhandene oder fehlerhafte Speicheradresse
- Probleme auf dem Daten- oder Adressbus
- instabiles RAM oder eine fehlerhafte Speichererweiterung
- Kontaktprobleme an Turbokarten oder Zorro-Erweiterungen
- ein ungeeignetes Kickstart-ROM
- instabile Versorgungsspannungen
- in selteneren Fällen ein Fehler an CPU oder CPU-Sockel
Der Prozessor sollte deshalb nicht allein aufgrund eines gelben Bildschirms ausgetauscht werden.
Weitere Bildschirmausgaben und deren Ursachen
Neben den eigentlichen Bootfarben kann der Selbsttest weitere Farben zur Folge haben. Diese Zuordnungen sind weniger eindeutig und teilweise von Amiga-Modell und Mainboard-Revision abhängig.
| Bildschirmbild | Möglicher Hinweis | Einordnung |
|---|---|---|
| Hellgrün | Problem mit CIA-A | Historische Checklisten nennen bei bestimmten Modellen U7 beziehungsweise U300. Die Bezeichnung ist nicht auf jedes Mainboard übertragbar. |
| Schwarz | CPU, CIA, Takt, Stromversorgung oder Videoausgabe | Ein schwarzes Bild ist kein eindeutiger Farbcode und kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. |
| Bei Grau stehengeblieben | Mögliches CIA- oder Initialisierungsproblem | Bei bestimmten Modellen wird CIA-B beziehungsweise U8 oder U301 als mögliche Ursache genannt. |
| Schwarz mit Streifen | Möglicher ROM-, CIA-, Bus- oder Videosignalfehler | Das Muster ist kein eindeutiger Selbsttest-Code. |
| Kein Videosignal | Stromversorgung, CPU, Takt oder Videoausgang | In einzelnen Reparaturlisten werden bestimmte Widerstände genannt. Deren Bezeichnungen und Werte gelten aber nur für die jeweilige Mainboard-Revision. |
| Verzerrtes oder unlesbares Bild | Mögliches Problem mit Agnus, Alice, Denise, Lisa oder dem Videosignal | Auch Kabel, Monitor, RGB-Adapter und Taktprobleme sollten geprüft werden. |
Bootfarbe oder Fehler im Videosignal?
Eine echte Bootfarbe füllt den Bildschirm während des Selbsttests aus und der Rechner bleibt normalerweise an diesem Punkt stehen. Startet der Amiga dagegen vollständig, lädt Workbench oder Spiele und zeigt dabei lediglich einen dauerhaften Rot-, Grün- oder Blaustich, handelt es sich wahrscheinlich nicht um einen Bootcode.
In diesem Fall sollte zuerst der komplette Signalweg geprüft werden:
- RGB-Kabel und Stecker
- Monitor oder Fernseher
- RGB-zu-SCART- oder RGB-zu-VGA-Adapter
- Video-DAC und zugehörige Widerstände
- Leiterbahnen der roten, grünen und blauen Farbkanäle
- Denise oder Lisa sowie die beteiligten Videoschaltungen
Fehlercodes der Caps-Lock-LED
Die Tastatur eines klassischen Amiga besitzt einen eigenen Controller mit ROM, RAM und Timer. Beim Einschalten führt dieser Controller ebenfalls einen Selbsttest durch und übermittelt das Ergebnis an den Computer.
Schlägt der Tastaturtest fehl, kann die Caps-Lock-LED wiederholt blinken:
| Blinksignale | Bedeutung |
|---|---|
| Einmal | Prüfsummenfehler im ROM des Tastaturcontrollers |
| Zweimal | Der RAM-Test des Tastaturcontrollers ist fehlgeschlagen |
| Dreimal | Fehler beim Watchdog-Timer |
| Viermal | Möglicher Kurzschluss zwischen zwei Tastaturzeilen oder bei einer Sondertaste |
Die Blinkcodes sollten immer zusammen mit der Bildschirmfarbe, dem Verhalten der Power-LED und dem genauen Amiga-Modell betrachtet werden.
Amiga mit Bootfehler systematisch überprüfen
-
Startverhalten dokumentieren:
Farbe, Dauer, vorherige Farbwechsel, LED-Signale und mögliche Neustarts notieren. -
Modell und Kickstart-Version feststellen:
Die beteiligten Bauteile unterscheiden sich zwischen A500, A600, A1000, A1200, A2000, A3000 und A4000. -
Externe Geräte entfernen:
Nicht benötigte Laufwerke, PCMCIA-Karten, Joysticks, Drucker und andere Geräte testweise abziehen. -
Erweiterungen reduzieren:
Speichererweiterungen, Turbokarten und Zorro- oder PCI-Karten nach Möglichkeit entfernen und in einer Minimalkonfiguration testen. -
Netzteil unter Last prüfen:
Ein gealtertes Netzteil kann im Leerlauf korrekte Werte liefern, unter Last aber einbrechen. -
ROMs und gesockelte Chips kontrollieren:
Nur am ausgeschalteten und vom Strom getrennten Rechner arbeiten. Position und Orientierung vor dem Herausnehmen dokumentieren. -
Auf Korrosion und Akkuschäden achten:
Ausgelaufene Akkus können Leiterbahnen, Sockel und benachbarte Bauteile beschädigen. -
Diagnose-ROM verwenden:
Ein passendes Diagnose-ROM kann den Fehlerbereich weiter eingrenzen, selbst wenn das normale Kickstart nicht mehr startet.
Fazit: Die Farbe liefert einen Hinweis, keine fertige Diagnose
Rot führt die Fehlersuche in Richtung Kickstart-ROM, Grün zum ChipRAM und dessen Ansteuerung, Blau zu den Custom-Chips und Gelb zu einer frühen Prozessor-Ausnahme. Magenta weist auf eine fehlgeschlagene Startinitialisierung hin, während Türkis speziell beim Amiga 1000 auf den Kickstart-Speicher verweisen kann.
Die Bildschirmfarbe sollte trotzdem nie isoliert betrachtet werden. Erst die Kombination aus Amiga-Modell, Kickstart-Version, eingebauten Erweiterungen, LED-Signalen und dem genauen Startverhalten ermöglicht eine belastbare Fehlersuche.
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