USB am Classic-Amiga nachrüsten

Ein klassischer Amiga besitzt ab Werk keinen USB-Anschluss. Ein einfacher mechanischer Adapter für den seriellen oder parallelen Port des Amiga genügt aber nicht: Erforderlich sind eine USB-Controllerkarte, ein zum Controller passender Hardwaretreiber und ein USB-Stack, der Geräteklassen wie HID oder Mass Storage bereitstellt.
Nach der Installation der Hardware muss das Programm Trident im SYS:Prefs Ordner gestartet und konfiguriert werden. Im Test funktionierte eine optische Logitech Maus übrigens problemlos parallel zur originalwn Amiga Maus.
USB-Erweiterungen für den Amiga
Die Firma E3B hat mit den Karten Highway und Algor für den Zorro-Slot der Amigamodelle 2000, 3000 und 4000 und der Subway-Karte für den Amiga 1200 eine Möglichkeit geschaffen, zahlreiche USB-Geräte problemlos an den Amiga anzuschließen. Auch Elbox bietet mit der Spider PCI-Karte und der Spider II eine Lösung für den PCI-Slot an.
USB über den Clockport
Für einen Amiga 1200 sind USB-Controller für den internen Clockport die kompakteste Lösung. Der historische Subway-Controller wurde speziell für den Clockport des A1200 entwickelt und stellt vier USB-Anschlüsse bereit. Er erkennt USB-1.1- und USB-2.0-Geräte, unterstützt aber nicht den schnellen USB-2.0-High-Speed-Modus. Die erreichbare Geschwindigkeit liegt daher deutlich unter der eines modernen PCs.
Der neuere RapidRoad-Controller besitzt zwei USB-Anschlüsse und kann je nach Ausführung am Clockport oder am Erweiterungsanschluss einer X-Surf-100-Netzwerkkarte betrieben werden. Am Clockport wird die Leistung durch den Clockport und die Geschwindigkeit des Amiga begrenzt, ein Anschluss an die X-Surf-100 bietet eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit.
RapidRoad kann auch in einem Amiga 600 eingesetzt werden, benötigt dort aber eine passende Erweiterung wie A604 oder A604n. Außerdem existieren Anschlussmöglichkeiten für bestimmte ältere Zorro-Karten und einige ACA-Turbokarten.
Für RapidRoad nennt der Hersteller folgende Mindestanforderungen:
- AmigaOS 3.0 oder neuer
- Prozessor ab 68020
- mindestens 2,5 MB freies FastRAM
- empfohlen werden mindestens 4 MB freies FastRAM
- installierte MUI-Oberfläche
- freier Clockport oder eine X-Surf-100
- Poseidon 4.5 mit passendem RapidRoad-Treiber
Die Poseidon-Lizenz und die benötigten RapidRoad-Treiber gehören zur Softwareausstattung des Controllers.
USB für Amiga 2000, 3000 und 4000
Für Amiga-Modelle mit Zorro-Steckplätzen wurden verschiedene USB-Karten veröffentlicht. Die Highway Karte arbeitet am Zorro-II- beziehungsweise Zorro-III-Bus und besitzt einen integrierten USB-Hub mit vier Anschlüssen. USB-2.0-Geräte können angeschlossen werden, allerdings ohne den schnellen High-Speed-Modus.
Die neuere Algor Erweitrungskarte führte dieses Konzept weiter. Ergänzungen wie FlashROM beziehungsweise Boot-Unterstützung ermöglichen es, Teile des USB-Systems bereits während des Rechnerstarts bereitzustellen.
Eine leistungsfähigere historische Lösung ist die Deneb. Sie wurde für Zorro-II- und Zorro-III-Systeme entwickelt, besitzt drei USB-Anschlüsse und unterstützt auch den USB-2.0-High-Speed-Modus. In Zorro-III-Systemen kann sie abhängig von der Hardware DMA für höhere Übertragungsraten nutzen. Der USB-Stack lässt sich im integrierten FlashROM speichern.
Highway, Algor, Subway und Deneb werden heute überwiegend gebraucht angeboten. Die noch vorhandenen Herstellerseiten dienen teilweise ausdrücklich nur als Archiv. Vor dem Kauf sollten daher Treiber, Poseidon-Lizenz, benötigte Anschlusskabel und die Kompatibilität mit dem jeweiligen Amiga und der eingesetzten Turbokarte geprüft werden.
Eine weitere Möglichkeit für Desktop-Amigas mit Zorro-Ports auf dem Mainboard ist RapidRoad in Verbindung mit der X-Surf-100. Die X-Surf-100 wird in einen Zorro-Steckplatz eingesetzt; RapidRoad kommt auf den dafür vorgesehenen Erweiterungsanschluss der Netzwerkkarte. Diese Variante verbindet einen Ethernet-Anschluss und USB-Ports in einem System.
USB über einen Mediator-PCI-Bus
Amiga-Systeme mit einem Mediator-PCI-Board können die Elbox-Controller Spider und den Nachfolger Spider II nutzen.
Spider II stellt vier externe und einen internen USB-Port bereit und unterstützt USB 1.1 sowie 2.0 inklusive High Speed Mode. Für den Betrieb werden ein freier PCI-Steckplatz, ein kompatibles Mediator-System, die Mediator-Treiber und Poseidon 4.x benötigt. Diese Lösung ist vor allem für ausgebaute A1200-Towers sowie Amiga 3000 und 4000 Modelle mit Mediator interessant.
Welche USB-Geräte funktionieren am Amiga?
Mit einem passenden Poseidon-Klassentreiber lassen sich insbesondere folgende Geräte verwenden:
- USB-Sticks und Speicherkartenleser
- externe Festplatten oder SSDs
- USB-Mäuse und USB-Tastaturen
- kompatible Joysticks und Gamecontroller
- Drucker mit passendem Drucker- beziehungsweise Parallel-Klassentreiber
- ausgewählte USB-Netzwerk-, Audio- oder serielle Adapter
- einige Digitalkameras, Scanner und weitere Spezialgeräte
Ein erkannter USB-Anschluss bedeutet aber nicht automatisch, dass moderne USB-Hardware immer und direkt funktioniert. Poseidon muss für den jeweiligen Gerätetyp einen geeigneten Klassentreiber besitzen. Außerdem muss sich das verwendete Dateisystem von AmigaOS lesen lassen.
USB-Sticks, einfache Kartenleser sowie standardkonforme Mäuse und Tastaturen bieten in der Regel die besten Erfolgsaussichten.
Stromversorgung beachten
Geräte mit geringem Strombedarf können häufig direkt über den USB-Controller versorgt werden. Externe Festplatten, optische Laufwerke und andere Geräte mit Motor benötigen beim Anlaufen jedoch teilweise deutlich mehr Strom.
Für solche Geräte ist ein aktiver USB-Hub mit eigenem Netzteil meist die sicherste Lösung. RapidRoad kann bei direkter Verbindung mit dem Amiga-Netzteil ebenfalls höhere Ströme bereitstellen. Die dafür erforderliche zusätzliche Stromverbindung muss entsprechend der Herstelleranleitung angeschlossen werden.
Gerade bei stark erweiterten Amiga-Systemen sollte vorher geprüft werden, ob das vorhandene Netzteil ausreichend belastbar ist und stabile Spannungen liefert. Ein altes Originalnetzteil sollte nicht allein aufgrund seiner angegebenen Nennleistung mit weiteren USB-Verbrauchern belastet werden. Entscheidend sind die tatsächlich gemessenen Spannungen unter Last und der Gesamtverbrauch aller eingebauten Erweiterungen.
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